Lexikon: Kampfhunde

Kampfhunde sind Hunde, die für Sportkämpfe gegen Artgenossen oder andere Tiere gezüchtet und ausgebildet wurden. Hundekämpfe dieser Art sind seit über 100 Jahren gesetzlich verboten. Es gibt keine Hunderassen mehr, die gezielt für diesen Zweck gezüchtet werden.

Wenn in Presse, Politik und Gesetzgebung seit einiger Zeit über Kampfhunde berichtet und diskutiert wird, sind dagegen Hunderassen gemeint, die mehr oder weniger direkt von den ehemaligen Kampfhunden abstammen. Es wird dabei vorausgesetzt, dass Hunde dieser Rassen generell für Menschen und andere Hunde gefährlich sind. Seltener sind mit dem Begriff Kampfhunde auch individuell gefährliche Hunde unabhängig von der Rasse gemeint.

Welche Rassen werden offiziell als Kampfhunde bezeichnet?

In Deutschland werden verschiedene Hunderassen von offiziellen Stellen als Kampfhunde eingestuft und neben strengem Leinen- und Maulkorbzwang mit einer erhöhten Hundesteuer belegt. Je nach Bundesland gilt u.U. ein Zucht-, Handels- oder Haltungsverbot für bestimmte, besonders gefährliche Hunderassen.

Am 21. April 2001 ist darüber hinaus das am vorhergehenden Tag verkündete so genannte Gesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde in Kraft getreten. Dieses Bundesgesetz ergänzt die bereits geltenden Hundegesetze und -verordnungen in den Ländern zum Schutz vor gefährlichen Hunden und soll dazu beitragen, zukünftig Gefahren und Übergriffe durch Kampfhunde von der Bevölkerung abzuwenden. Als "gefährliche Hunde" gelten Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier und deren Kreuzungen sowie nach Landesrecht bestimmte Hunde. Hunde der vier genannten Rassen sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden dürfen nicht aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Union ins Inland verbracht oder aus einem Drittland eingeführt werden. Dies besagt das "Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz" (Artikel 1 des Gesetzes zur Bekämpfung gefährlicher Hunde). Neben diesem bundesweiten Importverbot ist auch die Einfuhr von Hunden weiterer Rassen sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden in ein bestimmtes Bundesland verboten, wenn der jeweilige Hund gemäß der dortigen Hundeverordnung als gefährlich eingestuft wird. Verstöße gegen das Einfuhrverbot sind mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe bedroht.
Durch die in Artikel 2 verankerte "Änderung des Tierschutzgesetzes" wird das Bundesministerium ermächtigt - mit Zustimmung des Bundesrates - per Verordnung das Züchten mit Wirbeltieren bestimmter Arten, Rassen oder Linien zu verbieten oder zu beschränken, wenn erblich bedingte Verhaltensstörungen oder Aggressionssteigerungen auftreten. Dadurch könnten auch andere als die bisher genannten vier Rassen zu Aggressionszüchtungen erklärt werden und unter ein Zuchtverbot bzw. eine Zuchtbeschränkung fallen.
Wer landesrechtlichen Vorschriften zuwiderhandelt und Zucht oder Handel mit einem gefährlichen Hund betreibt, muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Ebenso wird -entsprechend einer Änderung des Strafgesetzbuches (Artikel 3) - auch das unerlaubte Halten gefährlicher Hunde bestraft.

Neben den bereits genannten bullterrierartigen Rassen werden vielfach auch die so genannten molosserartigen Rassen als Kampfhunde angesehen; dazu gehören: Tosa-Inu, Bull-Mastiff, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastin Español, Mastino Napoletano, Rhodesian Ridgeback.

Entstehung der Kampfhunderassen

Die Vorfahren der heutigen bullterrierartigen Kampfhunderassen wurden im Mittelalter in Großbritannien gezüchtet. Hundekämpfe waren ursprünglich ein höfisches Spektakel, bei dem Hunde auf angekettete Bären, Löwen und Wölfe gehetzt wurden. Als diese immer schwerer zu beschaffen waren, ließ man die Hunde in einer vorgeschriebenen Arena (Pit) gegen Bullen kämpfen. Es entstand ein ursprünglicher Typ der Bulldogge: Hunde, die ohne zu zögern angriffen und, einmal festgebissen, nicht wieder losließen. Hundekämpfe wurden schon im Mittelalter zum Volkssport, der die Wettleidenschaft der Engländer befriedigte. Als auch die Bullen schließlich zu teuer wurden, hetzte man die Hunde aufeinander, später auf Ratten und Fischotter. Durch Kreuzungen zwischen Bulldoggen und Terriern entstanden die Vorfahren der heutigen Bull-, Pitbull- und Staffordshire-Terrier. Die Hunde wurden häufig von armen Leuten gehalten, denen die Wetteinnahmen das Überleben sicherten. Die Tiere lebten auf engstem Raum mit der Familie zusammen, wurden oft besser ernährt als die Menschen und schliefen sogar mit im Bett. Auf diese Weise entstanden Hunde, die zu ihrer Familie friedlich, liebenswürdig und sehr kinderlieb, gegenüber anderen Hunden dagegen äußerst aggressiv waren.

In Großbritannien wurden die Hundekämpfe 1835 offiziell verboten. Illegal ging das Wetten auf den Sieger aber sowohl in Großbritannien als auch in den USA bis in das 20. Jahrhundert hinein weiter. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand, wiederum in England, die moderne Hundezucht. Erst jetzt wurden die verschiedenen Kampfhunderassen vollständig voneinander getrennt. Auf Hundeausstellungen wurde das Aussehen der Tiere beurteilt und für jede Rasse ein einheitlicher Typ herausgezüchtet. Während der folgenden Reinzucht veränderten sich die ursprünglichen Kampfhunderassen erheblich. American Staffordshire-Terrier wurden als gelehrige Wach- und Arbeitshunde auf Farmen eingesetzt, wobei hemmungslose Aggressivität ebenso wenig gefragt war wie bei den modernen Bulldoggen, die auf ein groteskes Aussehen hin gezüchtet wurden. Nur wenige Zuchtlinien der ehemaligen Kampfhunderassen werden bis heute für illegale Sportkämpfe eingesetzt. In Deutschland ist Zucht und Ausbildung aggressiver Hunde gesetzlich verboten.

Die zweite Gruppe der als "Kampfhunde" bezeichneten Rassen, die molosserartigen Hunde, wurden niemals systematisch für Hundekämpfe gezüchtet. Es handelt sich um große, schwere Hunde, die sehr ruhig und im Vergleich zu anderen Hunderassen nicht besonders aggressiv sind.

Diese Rassen wurden in verschiedenen Ländern als Wach- und Schutzhunde gezüchtet, die vor allem durch ihr gefährliches Aussehen abschreckend wirkten. Manche Rassen haben Ähnlichkeit mit den Abbildungen antiker Kampf- und Kriegshunde, ohne mit diesen näher verwandt zu sein.

Sind "Kampfhunde" gefährlicher als Hunde anderer Hunderassen?

Der Verband für Deutsches Hundewesen (VDH) veröffentlichte 1999 in seiner Broschüre "'Kampfhunde'? Gefährliche Hunde?" vier Gutachten von Biologen, Tierärzten und Juristen zu dieser Frage. Nach Meinung der Experten sind Hunde nicht allein deswegen gefährlich, weil sie zu einer bestimmten Rasse gehören. Die Bereitschaft eines erwachsenen Hundes, Menschen oder Artgenossen zu beißen, hängt von drei Faktoren ab:

1. Die angeborene Aggressionsbereitschaft

Für viele Hunderassen gehört ein gewisses Maß an Aggressivität, Schärfe genannt, zum Zuchtziel. Man erwartet von ihnen, dass sie ihre Besitzer und deren Eigentum im Notfall verteidigen, aber keinesfalls unkontrolliert um sich beißen. Besitzer und Züchter sind oft sehr stolz auf die Schärfe ihrer Hunde. Die bullterrierartigen Hunde gehören zu diesen Rassen. Sie haben zudem eine niedrige Hemmschwelle für Aggression, greifen also bereits an, wenn andere Hunderassen noch drohend knurren. Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass sie aggressiver sind als die deutschen Schutzhunde, z.B. der Deutsche Schäferhund, der Dobermann oder der Rottweiler. Die molosserartigen Hunderassen haben dagegen eine hohe Hemmschwelle und greifen nur an, wenn sie sich wirklich bedroht fühlen oder ihr Territorium verteidigen. Durch ihre Größe und Kraft ist ein Angriff, wenn er dann erfolgt, natürlich äußerst gefährlich.

Der angeborene Teil der Aggressivität kann durch gezielte Zucht bis zur unkontrollierten Angriffslust gesteigert werden. Es entstehen verhaltensgestörte Tiere, die kein normales Hundeleben führen können. Die Hunde sind selber extrem verunsichert und greifen bevorzugt Kinder und ältere Menschen an. In solchen Zuchten kommt es vor, dass Rüden Hündinnen und Welpen töten und Mutterhündinnen gegen ihre eigenen Welpen aggressiv werden. Hundezucht mit solchen Zielen ist Tierquälerei und durch das Tierschutzgesetz verboten.

2. Die Jugendentwicklung (Sozialisation)

Nur ein kleiner Teil der sozialen Umgangsformen ist den Hunden angeboren. Alle Hunde müssen im ersten Lebensjahr lernen, mit anderen Hunden und mit dem Ersatzartgenossen Mensch richtig umzugehen. Sie müssen lernen, sich im richtigen Moment dominant oder unterwürfig, freundlich, spielerisch oder drohend zu verhalten. Deswegen brauchen Hunde im ersten Lebensjahr regelmäßig Kontakte zu Artgenossen. Hunde aller Rassen, deren Besitzer solche Kontakte aus Angst oder Unwissenheit verhindern, sind als erwachsene Tiere unsicher und oft auch aggressiv. Alle großen und starken Hunde, und dazu gehören die so genannten Kampfhunderassen, können eine Gefahr für Menschen und andere Hunde darstellen, wenn sie nicht sorgfältig sozialisiert wurden.

3. Die Ausbildung

Alle Hundebesitzer müssen ihre Tiere so weit erziehen, dass sie sich selbst und andere nicht gefährden. Eine gute Grundausbildung hilft dem Besitzer, seinen Hund unter Kontrolle zu halten und von ihm als "Rudelführer" akzeptiert zu werden. Alle Hunde haben zudem eine große Lernbereitschaft, die sie während der Ausbildung befriedigen können. Bei Hunden großer und starker Rassen muss die Grundausbildung besonders sorgfältig und verantwortungsbewusst durchgeführt werden. Umstritten ist dagegen die weitere Ausbildung zum Schutzhund. Dabei lernen die Hunde, dass Angreifen und festes Zubeißen unter Umständen erwünscht ist und sogar belohnt wird.

Reine Tierquälerei ist dagegen die Ausbildung zum Kampfhund, wie sie illegal auch heute noch durchgeführt wird. Dabei werden die Hunde isoliert, misshandelt und erhalten nur soziale Zuwendung von ihrem Besitzer, wenn sie andere Hunde und Menschen bedingungslos angreifen. Man lässt sie an schwächeren Artgenossen oder anderen lebenden Tieren üben, um ihre Angriffslust zu stärken. Eine solche Ausbildung ist ein schwerer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und erzeugt verhaltensgestörte Hunde, die kein normales Leben mehr führen können.

Gefährliche Hunde und die Menschen

Gefährliche Hunde, also Hunde, die Artgenossen oder Menschen ohne Grund angreifen und beißen, sind meistens Hunde der scharfen Hunderassen oder ihre Mischlinge. Fast immer sind diese Tiere nicht ausreichend sozialisiert und mangelhaft oder falsch erzogen. Besonders häufig werden Angriffe von Schäferhunden, Rottweilern, Boxern, Dobermännern, Deutschen Doggen und American Staffordshire-Terriern angezeigt. Hunde dieser Rassen gehören eindeutig in die Hände erfahrener, selbstbewusster Menschen.

Gesetzliche Maßnahmen gegen gefährliche Hunde, z.B. eine erhöhte Hundesteuer für bestimmte Rassen oder ein Zuchtverbot, die es seit Anfang der 1990er Jahre in vielen Gemeinden gibt, haben sich als unzureichend erwiesen. Sie treffen überwiegend die verantwortungsbewussten Hundehalter, die ihre Hunde auch wirklich anmelden und Steuern für sie bezahlen. Außerdem ist es schwierig Rassehunde sicher von Mischlingen zu unterscheiden oder neue, inoffizielle Rassen einzuschätzen.

Modethema Kampfhunde

Kampfhunde sind in den 1990er Jahren ein Modethema der Presse geworden. Das Auftauchen eines bullterrierartigen oder molosserartigen Hundes kann besonders in den Städten heftige emotionale Reaktionen hervorrufen, selbst wenn das Tier sich absolut friedlich verhält. Diese Reaktionen zeigen die fortschreitende Naturentfremdung vieler moderner Menschen. Hunde werden nicht mehr als selbstverständliche Gefährten des Menschen akzeptiert, sondern oft als Bedrohung empfunden. Viele Menschen haben nicht gelernt, Hunde anhand ihres Verhaltens einzuschätzen und ihnen ruhig und gelassen zu begegnen. Allein das Aussehen macht einen Hund für sie zum gefährlichen "Kampfhund". Auch Politiker gebrauchen das emotionsgeladene Thema Kampfhunde gerne im Wahlkampf. Auffälligerweise richten sich alle gesetzlichen Maßnahmen bisher gegen die oben genannten, willkürlich nach ihrem Aussehen ausgewählten Rassen. Die meisten dieser Rassen sind in Deutschland äußerst selten und stellen allein deswegen keine übermäßige öffentliche Gefahr dar. Dagegen gibt es in großer Zahl Deutsche Schäferhunde, Deutsche Doggen, Rottweiler, Boxer und Dobermänner, die ebenfalls scharfe Hunde sind und bei falscher Haltung und Erziehung gefährlich werden können. Es gibt auch keine logische Erklärung dafür, warum der Rhodesian Ridgback, ein Südafrikanischer Jagdhund, auf der offiziellen "Kampfhundliste" erschien, der vergleichbar große und viel häufigere Deutsch-Drahthaar dagegen nicht.

Die Zahl der Unfälle mit Hunden in Deutschland ist stark zurückgegangen. Insgesamt wird die Gefährlichkeit von Hunden wohl etwas überschätzt. Es entsteht der Eindruck, dass für viele Menschen der "Kampfhund" ein sichtbares Bild ihrer irrationalen Ängste geworden ist. Die Presse und manche Politiker schüren diese Ängste zusätzlich und nutzen sie für ihre eigenen Interessen.

Der Tosa-Inu - ein japanischer Kampfhund

In Japan werden bis heute Hundekämpfe nach alten Regeln durchgeführt, und die Rasse der Wahl ist der Tosa-Inu, ein schwerer, doggenartiger Hund. Im Gegensatz zu den früheren Hundekämpfen in England geht es in Japan überaus diszipliniert zu. Die Hunde müssen ihre Gegner im Ringerstil zu Boden werfen. Bellen und Beißen ist streng verboten, keinesfalls darf Blut fließen! Der Sieger wird hoch geehrt und verwöhnt. Für die Kämpfe ist eine intensive Ausbildung notwendig, denn die Hunde müssen zwar ihre volle Kraft und Geschicklichkeit einsetzen, ihre Aggression aber unter Kontrolle behalten. In Deutschland wird der Tosa-Inu zurzeit nicht gezüchtet. Besitzer beschreiben ihre Hunde als ausgeglichen und liebenswürdig, anderen Hunden gegenüber aber recht angriffslustig. In einigen Ländern, z.B. Schweden, ist die Haltung und Zucht des "Kampfhundes" Tosa-Inu verboten.

Wie man also als vernünftiger Mensch sieht kann man "jeden" Hund zum Kampfhund abrichten.Geboren werden sie alle als süsse Welpen.Das Schicksal jedes Hundes liegt in der Hand "seines" Menschen.

Der Hund ist das Spiegelbild seines Menschen.

 

                                                                                          
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